Samstag, 10. Mai 2008

Drei Highlights, zwei Fahrten, Cartagena und viel Kack


Haben Cartagena verlassen und befinden uns nun in Santa Marta. Ein paar Beschreibungen der letzten Tage:
Zunächst das Angenehme. Drei Highlights.
Die Stadt und ihre Atmosphäre ist wirklich noch viel schöner zu geniesen, wenn man des Abends durch die Gassen spaziert. Die Strasen sind hier enger und die Häuser höher als man das von den meisetn lateinamerikanischen Städten kennt. Ich denke mir, dass das an der gewaltigen Stadtmauer liegt, die man sonst ebenfalls bei einer lateinamerikanischen Stadt nicht kennt. Man konnte eben nicht expandieren. Alles wirkt gedrungener aber nicht bedrückend, sonder eher gemütlich, urig, überschaubar. Auf der Plaza (der ehemaligen Inquisition) spielen afrokaribische Percussions und es wird getanzt. Man glaubt von weitem an die 20 Trommeln und Bongos zu hören, deren gewaltiger Sound doch nur von zwei Bongos produziert wird. Die Tänzer und Tänzerinnen gehen ab als seien sie vom Teufel besessen. Ich komme mir schon blöd vor, weil wir mit unseren Sandalen und unserer Hautfarbe schon ziemlich rausstechen; auf eine sehr unangenehme Weise, da man schnell zu den Pauschalturis gehört, die abends aus dem Hotelviertel, Bocagrande, hierherkommen um sich eine "Indianerschau" anzusehen.
Man nimmt den Bus, der um die komplette Altstadt fährt, deren Stadtmauern teilweise sehr schön beleuchtet ist. Teilweise wurden die Lampen geklaut.

Ein weiteres Highlight wurde dann ein kleiner Ausflug zu einem Vulkan. Erstmal nicht so beeindruckend, da wir jetzt echt schon viele Vulkane gesehen haben. Dieser allerdings ist mit Schlamm gefüllt. Grauer, schwerer, matschigschlammiger Schlamm. Und was macht man in einem Schlammvulkan? Klar! Rumsauen, sich wälzen. Mit den Füsen erreicht man keinen Boden, da dieser irgendwo im Erdinnern liegt (unser Guide war nicht sehr belehrend, was den Vulkan an sich angeht). Man treibt, wenn man das so sagen kann, an der Oberflächen und kann sich kaum bewegen, weil der Schlamm so dickflüssig ist. Man reibt sich mit der Sauerei ein, matscht rum, ein groser Spas. Danach taumeln die Moormenschen in Richtung der nahen Lagune um sich abzuwaschen. Hehe, das war lustig.

Das dritte Highlight bedient eine gewisse Phantasievorstellung. Playa Blanca. Ein weitläufiger, weiser Strand, der mit Palmen bestanden ist. Das Wasser ist karibisch warm, man übernachtet in einer Hängematte direkt am Meer. Nachts strahlen die Sterne und von weitem sieht man den Lichtschein Cartagenas. Ein Paradies.
Doch hier fangen auch schon die negativen Ereignisse der letzten Tage an. Angefangen mit dem Harmlosesten haben wir (na ja, vor allem DU, ich konnte nach dem ermüdenden Vorlesen doch besser schlafen, als ich angenommen hatte. Oh jeh, imer trifft es dich:() in der Nacht, in der Hängematte, kaum ein Auge zubekommen, weil man nur auf dem Rücken liegen kann, weil man spürt wie man von Mücken gefressen wird, weil ständig Kühe über den Strand kommen, die die Hunde verjagen, weil die Vögel von den Bäumen, unter denen man schläft, auf einen herabscheisen und des Morgens, weil die Strandverkäufer einen wecken, weil sie was verkaufen wollen. Und da sind wir auch schon bei dem sehr Gravierenden.

Ich fang mal bei der Strecke an, die wir von Medellín nach Cartagena nehmen mussten. Zunächst fuhr einfach kein Bus auser über Nacht. Dann sagte man uns, dass einer fährt, der kostet allerdings 109.000 Peso (ca. 40 Euro p.P.). Dann einer für 80.000 Peso dann einer für 70.000. Man hält uns eben für gringos, und die haben, wie man weis, Kohle. Die Einzige Möglichkeit tagsüber nach Cartagena zu gelangen sollte sein nach Tolú zu fahren, einem kleinen Kaff, und dort umzusteigen. Es gäbe auch direkte Verbindung und es soll auch noch billiger sein. Angekommen in Tolú gibt es keinen Bus der weiterfährt. Dann gibt es plötzlich einen der aber weitere 20.000 Peso p.P. kosten soll (ca. 7 Euro). Dann gibt es auch den nicht mehr. Im Ort tobt gerade die Urlaubssesion der Kolumbianer, was bedeutet dass die Strasen voll sind von Besoffenen, Autos, Kutschen, Rktschafahrern, Verkäufern. Die Hotels kosten das Doppelte. Wir müssen in einem teuren, abgefuckten Hotel übernachten um am nächsten Tag für 15.000 Peso nach Cartagena zu kommen.

Das war die eine Geschichte, die einem die Stimmung etwas versaut. Die andere war der Weg nach Playa Blanca, dem "Karibikparadies" und zurück. Wir nehmen einen Stadtbus bis zu einem Fluss, den es für 500 Peso (ca. 17 Cent) zu überqueren gilt. Wir bezahlen natürlich 1.000 Peso p.P. (ca. 40 Cent). Ab der anderen Flussseite fahren Motorradtaxis bis zum Strand für empfohlene 8.000 Peso (ca. 2,90 Euro) (Also man sitzt einfach so, ohne helm und alles, hinten auf'm Motorrad - gut, dass wir unsere riesigen Rucksäcke in Cartagena gelassen hatten!!!). Nina wird aus dem Boot geleitet und von ca. sieben oder acht Männern umringt, die 20.000 Peso (ca. 7 Euro) verlangen. Ich stürme hin, dränge alle weg und stelle klar, dass wir gar nichts unter Stress machen und erst recht nicht, wenn Nina dabei bedrängt wird. Man mag es hier sehr gerne Stress zu erzeugen damit man dumme Dinge tut. Man geht auf 10,000 Peso (ca. 3,50 Euro) runter und packt Nina wieder am Arm um sie wegzuziehen (beh). Ich geh dazwischen und schubse die Notgeilen weg. Man geht auf 8.000 Peso (ca. 2,90 Euro) runter.
Der Strand selbst ist zwar sehr schön doch schon gepflastert von Strandbüdchen und Verkäufern. Überall stehen Plastikstühle, die mit Bierwerbung (und natürlich Coca Cola Werbung) überspannt sind. Jeder kommt angerannt und will seine Hängematte für einen saftigen Preis an die gringos vermieten. Ein einfaches "no gracias, no queremos nada" ("nein danke, wir wollen nichts") hilft da nicht und schnell hat man eine Traube um sich. Wir entscheiden uns schlieslich für den Mann mit Kehlkopfkrebs, der mit einem Sonnenstrahlenlächeln seine Hängematten präsentiert als wäre es ein 5-Sterne-Hotel (Ja, auch das klingt beeinflusst - aber besser als "Hugos Place" war es allemal. Kein elektrisches Licht, das die Ruhe störte, keine Säufer, keine Drogen...und ein netter Kanister Wasser als Dusche).
Am nächsten Tag wollen wir auch schon wieder zurück nach Cartagena und gehen dorthin, wo die motos (Motorradtaxis) abfahren. Man sagt uns das "jetzt" welche kommen, was natürlich eine Lüge ist, die nicht als solche gedeutet wird. Eine chica im Hostal hat es ganz gut getroffen als sie meinte, dass die Leute oft gar nicht merken, wie sehr sie andere Leute belügen und bescheisen. Für sie ist das einfach so, ganz normal halt. Macht doch jeder. Ach ja, kleiner Exkurs:
Mir ist mal was aufgefallen, was ich in Deutschland total bescheuert finde. Eine Sache, wie eine der Sachen ist, die hier einem sehr schnell und ständig auffallen, weil man sie so nicht kennt und weil sie keinen Sinn machen. Es ist einfach so, weil es so ist. Dadurch ist es schwer diese Dinge in der eigenen Kultur aufzuzeigen, weil sie eben nicht mehr auffallen, sonst gäbe sie ja nicht. Doch das es sie gibt ist klar. Ich hoffe, ich mache mich verständlich. Diese Sache ist: Warum spülen wir eigentlich unser Klo mit Trinkwasser? Mit teurem, reinen, trinkbaren Trinkwasser? Und dann auch noch mit direkt 10 Litern oder so. Und noch was. Wieso gibt es keine Hüte, die man bei enormer Hitze mit Eiswürfel füllen kann? man verliert doch soviel Hitze über den Kopf. Doch das ist eine ganz andere Geschichte. (Du kriegst zu viel Wañter Moers vorgelesen!!!) Exkursende.
Man sagt uns aber, dass man anstelle des motos für 8.000 Peso (ca. 2,9 Euro) auch einen Bus nehmen kann für 2.000 Peso (ca. 80 Cent). Der fährt aber erst 1,5 Stunden später. Also gehen wir runter an den Strand, setzen uns in zwei Plastikstühle und kaufen eine Kokusnuss zum Trinken und Essen für 3.000 Peso (ca. 1,20 Euro) dann für 1.500 Peso (ca. 0,60 Euro) und mit einem angekotzten Gesicht. "Scheis gringos, die haben's doch." Nachdem wir ca. 20 Verkäufer abgewimmelt haben, die alle einfach nicht locker lassen wollen, ist die Zeit auch schon vorrüber und wir wollen zum Bus. Da kommt einer angelaufen und meint, das wir die Miete für die Stühle bezahlen müssten. 20.000 Peso (ca. 7 Euro). Wir geben ihm nach heftigen Diskussionen 2.000 und nochwas. Der Bus fährt nicht zum Anlegeplatz sondern nur zu einem Dorf, von dem aus wir dann doch noch ein moto nehmen müssen für 2.500 Peso (ca. 95 Cent). Angekommen verlangt man 6.000 Peso (ca. 2,20 Euro), wir geben aber den abgemachten Betrag. Wir müssen heftigst um ein Boot handeln, was uns (schliesslich) für den normalen Preis übersetzt. In der Mitte des Flusses steigt der Presi plötzlich um das Doppelte (Christian, mit den Nerven unten:"aaah, cállate!!! Halt die Klappe!"). Von der anderen Seite nehmen wir einen Bus ins Stadtzentrum und ich vergewissere mich zwei Mal, ob er auch wirklich bis zum Zentrum fährt. Nach einer halben Stunde werden wir bei irgendeinem heruntergekommenen Markt auserhalb der Stadt rausgeschmissen und man behauptet, dass man von Anfang an gesagt hätte, dass der Bus nicht ins Zentrum führe. Ich hätte ihm fast eine reingehauen (Christian, noch viel entnervter:"CÁLLATE!!!!!" + Stinkefinger - im eigentlih höflichen Lateinamerika). Wir müssen also nochmal einen Bus nehmen, den wir natürlich auch nochmal bezahlen müssen. Wir kommen im Hostal an, in dem es keinen Platz mehr gibt. Wir irren durch die Strasen, um eine andere Bleibe zu finden und werden ständig von Abzockern angesprochen "hey man, how are you" (eher: "Ey, Miesterrr, hau arrr Juh?? Ai hahf rrruhm!"), die ein angebliches Apartment zu vermieten haben. Irgendwann legen wir uns in einer Absteige zur Ruhe. Man muss wohl dazu sagen, dass uns dieses Hostal von einem netten Mann gezeigt wurde (der nacher nicht plötzlich Geld wollte) (Bilanz: einer unter 100).

Ich finde, dass sich die ganze Aktion und der Strand sich nicht gelohnt haben. Wir haben bisher in Kolumbien die nettesten und herzlichsten Menschen getroffen. Doch die Küste scheint von Arschlöchern überzogen zu sein. Sind gerade nach Santa Marta gefahren, wo man einfach nicht kapieren wollte, dass wir nicht nach Taganga fahren wollen. Man tummelt sich also um uns herum, macht die übelste Hektik und versucht uns unaufhörlich stark überteuerte Fahrten nach Taganga zu verkaufen. Zu sagen, dass man dort einfach nicht hin möchte hilft gar nichts. Ich frage mich ob das reine Unfreundlichkeit oder einfach nur Dummheit ist. Erinnert mich ein bisschen an die Geschichte mit Yurany, Richard und der Kokusnuss in Mindo. Na, wisst ihr noch? Ist da überhaupt noch jemand? Ich habe das Gefühl, dass ich für mich selber schreibe.

Jedenfalls muss ich eingestehen, dass mir zur Zeit die Lust am Reisen vergeht. Ich dachte nicht, dass ich das mal sagen würde, aber für's erste habe ich genug. Daran erkenne ich auch, wie nötig es war so lange weg zu sein. Jetzt reicht es.
Heute läuft sehr viel Fernsehen um uns herum und ich würde fast sagen, dass mich das noch mehr aufregt als das deutsche Fernsehen. Kann aber auch sein, dass das nur daran liegt, dass ich es nicht mehr gewohnt bin. Doch da werden tatsächlich Dinge dargestellt, dass einem die Kotze kommt. Eben wurde tatsächlich in den "Nachrichten" gesagt, dass man mehr und mehr Beweise dafür findet, dass Chávez die FARC mit Waffen versorgt und Rafael Correa in einer Pressekonferenz gesagt hätte, dass er das gut fände. Neben dieser Ultrapropaganda wird dann ein katastrophaler Müll gezeigt und in meiner jetztigen Situation und Verfassung sehe ich darin viel zu viel Negatives, was mit der hiesigen Kultur zusammenhängt. Vielleicht ist es doch gut noch etwas zu bleiben. Vielleicht kühlt mich die Klimanlage heute Nacht etwas ab (hehe, haben Klimanlage).

@ Elza, du glaubst ja gar nicht wie sehr ich mich über einen Kommentar gefreut habe. Dann auch noch so ein Schöner. borracha, de veras. Allerdings, was soll das denn heisen: "...mundo q hace poco la describieron..." oder "No me quiero ir en un lado"? ¿No quieres quedarte en un lado? ¿No quieres irte a ningún lugar? ¿No quieres caminar en una pierna? Schreib mehr!! Besos del Caribe! Sería tan chévere si estuvieras aquí:( con nosotros....pero solo cinco semanas y nos vemos y podemos hablar español....que raro.......juchuuu
Man sieht sich. Freude!

Christian der Bekotzte.
und neyna, die die Kotze jetzt mal wegwischen wird
übrigens habe ich von Christian und Ale ein sehr schönes Sommerkleid bekommen, das perfekt hier in der Hitze zu tragen ist und sich wohl auch noch in Deutschland bewähren wird. Vielen Dank an euch und , ach, ja, danke fürs Ausharren, Christian, bei der laaaangen Auswahl!!!

4 Kommentare:

Janos hat gesagt…

wow. das war ja dann für euch bestimmt mit eines der negativsten Highlights. Ihr seid ja noch recht freundlich geblieben, gut, was hättet ihr sonst machen sollen.

Von außen betrachtet ist das Verhalten der Menschen irgendwie nachvollziehbar, da sie es ja nur so kennen und sie nehmen auch nur die reichen Gringos wahr, was sie dann auch auf alle beziehen.
Das ist alles schon ziemlich schade, aber womöglich sehen sie sich garnicht in einer anderen Lage als so zu handeln ?!

gruß Janos
hier ist es jetzt auch mal warm :)

Pascal hat gesagt…

uuuuh,

ich melde mich auch nochmal. ich kann sehr gut nachvollziehen, wie ihr euch fühlt. ich vergesse es immer wieder: wann geht es wieder zurück?

viele grüße,
pascal

Elza hat gesagt…

Hey.
Also Deutschland empfing mich warm und nett. Ausgenommen natuerlich die, die die deutsche Gesellschaft ausmachen; die Menschen sind einfach bloed. Freut euch ueber die (netten) Colombianer!!! Was ich da geschrieben hab heisst "... ueber diesen Teil der Welt, den iht vorher noch mit solch auserwaehlten Worten beschrieben habt" oder so aehnlich, ich weiss den Satz gerade nicht so genau.

Ich drueck euch!!

Muah. Elza

elza hat gesagt…

NE?!
Ihr glaubt ja gar nicht, was mir passiert ist. Ok es ist jetzt nicht so spekakulaer. Ich war gestern in der Eifel bei meiner Mutter. Es klingelt an der Tuer, ich geh dahin und wer steht vor mir, um mir ein PAket zu ueberreichen? Edgar! Ich hab mich total erschrocken, habe wohl auch komisch geguckt, er auch, aber erkannt hat er mich, glaube ich, nicht. Tja, sehr komisch diese Begegnung. Das wars auch schon. Um ehrlich zu sein, ist mir kein Hostal in Merida eingefallen, ich glaub es gibt nur Posadas. Aber wenn ihr an die Plaza de las Heroinas (oestlich vom Centro, auf Hoehe der Calle 24 glaube ich), geht, da sind ganz viele Agenturen, die Rafting, Canyoning und Paraglyding und sowas anbieten (auch Touren auf den Pico), da koennt ihr auf jeden Fall auch erfahren wo man gut schlafen kann. Aber verhandelt, die wollen euch erst immer was teures andrehen (sorry, das ist auch in Vzla nicht anders). Ich wuensch euch sehr viel Spass. Ich beneide euch so!!

Besos. E.

Aaaah, ich kan nur mit einer Hand schreiben, die andere hab ich mir gerade auf der Herdplatte verbrannt (ich mach jedes Mal die falsche Platte an). A la PUTA!