
So, wie versprochen mal etwas von mir, also neyna!!!!!!
Ja, wir sind heute morgen gerädert, müde und hungrig in MÉRIDA angekommen, Elzas zweiter Heimat.
Dort hinterliess sie uns auch Gummibärchen aus dem Bärenland, die wir abholen werden, sobald sie mir die Adresse von ihrer Gastmama gegeben hat, JAAAAAA!
Doch zunächst zum unangenehmen Teil der Reise: DIE ((vor-)letzte) GRENZE!!!
Wohl die beschissenste Grenze, die wir bisher überquert haben und komischerweise lag es nicht an den eigentlichen Grenzbüros....
Nach einer sechsstündigen Fahrt von Bucaramanga kamen wir im kolumbianischen Grenzstädtchen Cúcuta an. Nur so viel: Laut, hässlich, chaotisch, ein Niemandsland. Ich kann jetzt eigentlich nicht sagen, dass ich es schlimm fand. Nur halt die Situation, der Busbahnhof und die Grenze, die Stadt an sich aber nicht. So standen wir verloren am Busbahnhof (nachdem wir fünf superaufdringliche Ticketverkäufer und Passverkäufer abgewimmelt hatten) mit dem ganzen Gepäck, inmitten einer Menschenmasse, abfahrenden und ankommenden Bussen, Busetas, Taxis, Colectivos....
Die erste unangenehme Überraschung: Es fahren nur Sammeltaxis an die Grenze.
Die zweite: Die Fahrer dieser Sammeltaxis haben keinen Bock, an den Aus- und Einwanderungsbüros anzuhalten, damit wir einen Stempel kriegen können (hinterher verstanden wir, warum).
Von allen Seiten werden wir angeschrien, irgendjemand redete was von "Coupons", irgendjemand macht Stress, ein Auto hupte.....Aaaaaah!!!!!
Schliesslich spricht uns ein Mann an, der etwas vertrauenswürdiger aussah (wir haben doch gelernt, bei so etwas unserer Intuition zu vertrauen): Er fahre an die Grenze, halte auch an den Kontrollen an und wir seien nicht alleine, eine weitere Frau mit Kind müsse dieselbe Prozedur durchmachen.
Wir folgen ihm zu seinem Auto (es war kein offizielles Taxi), die Frau kommt mit ihrem Sohn aus einem Restaurant und der kleine Sohn des Fahrers wartet am Auto.
Es geht los.
Bevor wir überhaupt die Grenzbrücke erkennen können, befinden wir uns in einem zähen Stau. Am Strassenrand heruntergekommene Hütten, Penner auf der Strasse, Geldwechsler überbieten sich mit ihren Rufen gegenseitig, es wird (wie immer in L.Amerika) gehupt und gehupt.
Die Frau schlägt vor, dass ich mit ihr aussteige und zur Brücke laufe um den Stempel zu machen, es sei ganz in der Nähe. Christian solle mit ihrem Sohn im Auto warten, nur zur Sicherheit, damit der Fahrer nicht mit unserem Gepäck abhaut.
Ich dachte nicht länger nach (wäre vielleicht klüger gewesen) und stieg mit der Frau aus.
Um uns herum Autos und Mofas, die sich nach vorne drängen, abgerissene Gestalten am Strassenrand. Ich bekomme es etwas mit der Angst und dränge mich näher an die Frau, die die ganze Zeit redet:"Hier darfst du keinem vertrauen, auch nicht dem Taxifahrer..." -und was ist mit dir?, denke ich, bereue, dass ich alleine aus dem Auto gestiegen bin und male mir schon Horrorszenarien aus: Der Fahrer und die Frau arbeiten zusammen, gleich werden wir überfallen und die nehmen uns unser Geld weg, die ganzen Dollar, die wir für Venezuela gewechselt haben, die Pässe, womöglich entführen sie uns......Man hatte uns den Rat gegeben, Peso in Dollar zu tauschen, die man dann wiederrum für einen astronomischen Kurs auf dem Schwarzmarkt, in Venezuela tauschen könne. Leider steht der Dollar sehr schlecht sodass wir keinen Gewinn bei dem Stress machten : (
Wir erreichen das DAS Büro (Emigrationsbüro Kolumbiens), keine Schlange, nur die Frau und ich. Ich bekomme sofort meinen Ausreisestempel, alles perfekt.
Die Frau (sie war wohl ziemlich neben der Rolle) bekommt Probleme. Sie hat den Ausweis ihres Sohnes vergessen. Ich wundere mich noch nicht darüber, wie man so blöd sein kann - sie muss doch wissen, dass die Bestimmungen für Kolumbianer ohnehin viel strenger sind und dann den Ausweis vergessen....Die Lady hatte eindeutig einen an der Klatsche. Als sie zurück zum Auto kam zeigte sie völliges Unverständnis dafür, dass man an der Grenze den Pass verlange, und sie fährt regelmäsig nach Venezuela!
Wir gehen zurück zum Auto, nichts passiert (ausser den üblichen "Gringa!"-"bella!"-"Blondie!"-Rufen (zum Kotzen)). Die Frau geht weg, sie will an der nächsten Telefonzelle ein Mototaxi rufen, um noch einmal nach Cúcuta zu fahren und die Papiere zu holen.
Wir fahren durch bis zum DAS - sie ist noch immer nicht zurück; Christian macht seinen Stempel, der Fahrer geht los um sie zu suchen, ihr Sohn geht irgendwo hin....
....schliesslich kommt sie zurück und reagiert total panisch, als sie ihren Sohn nicht sieht:"Wo ist mein Sohn!!!!?? Hat der Fahrer ihn...."
Wir haben beide nicht aufgepasst und glauben, er ist mit dem Fahrer weg, um sie zu suchen. Sie verschwindet wieder.
Wir warten.
Zehn Minuten später, in der Zeit habe ich mir die Autonummer des Fahrzeugs aufgeschrieben und ein Buch geholt, kehrt der Fahrer zurück, der Sohn sitze im Gebäude der DAS.
Da kam er dann auch.
Wir warteten.
Zehn Minuten.
Zwanzig Minuten.
Dreissig Minuten.
Es dämmert.
Der Taxifahrer drängt, einfach weiterzufahren und den Sohn, etwa 14 Jahre alt, mit dem Gepäck hierzulassen.
Nach vierzig Minuten taucht die Frau auf, sie war schon mit dem Taxi zurückgefahren und hatte die Papiere bei sich.
Der Verkehr ist immer noch chaotisch. Ich habe Durst, aber wir haben noch keine venezolanischen Bolívares, nur ein paar Pesos und Dollar. Und Hunger!!! Seit 8 Uhr morgens unterwegs!
Auf der venezolanischen Seite ist die Einwanderungsbehörde geschlossen (bzw. dort, wo "Emigration" angeschrieben steht, findet man eine verdunkelte, okulte Kapelle!), ein paar Verkehrspolizisten halten uns an. Ich steige spontan aus, den Ausweis noch in der Hand, und frage, wo man sich den Stempel holen kann.
Der Polizist hat den Kofferraum geöffnet, inspiziert zuerst das Gepäck, dann mich. "Woher kommst du? Wo wart ihr? Welche Teile Kolumbiens habt ihr bereist? Was bist du von Beruf? Wo wollt ihr in Venezuela hin? Seid ihr Touristen?" Er nimmt meinen Pass und blättert darin rum. Christian steigt aus und fragt energisch, was denn los sei und schliesst den Kofferraum. Der Polizist winkt ab und murmelt etwas. Ich reisse ihm meinen Pass aus der Hand und steige wieder ins Auto.
Wir fahren durch die verstopften, kurvigen Strassen, bis wir schliesslich die Behörde finden.
Drinnen ging wieder alles ganz schnell, kurz etwas ausfüllen, das wars - wir müssen nicht einmal bezahlen!!!!!!
Wieder im Auto (der Taxifahrer hatte tatsächlich drausen gewartet, mit allem Gepäck im Wagen) fahren wir eine nächtliche Serpentinenstrecke, Blitze zucken am Himmel, bis uns der Fahrer an einem Hotel direkt am Busbahnhof absetzt. Es soll angeblich billig sein.
Drinnen der Schock: Das Zimmer kostet 80 Bolívares! (etwa 25 Euro)!! Draussen ist es dunkel (ca. 9 Uhr), Busbahnhof, Venezuela..... Moment, Moment! Zunächst kommen wir noch, nach langem Stau, in eine Polizeikontrolle. Ich komme mir vor wie in Babel: Breite Latinokiste (Auto), grimmige Grenzbeamte, nächtliche Fahrt mit Kindern, die schlafen, Passkontrolle, Aussteigen, Gepäckkontrolle, Gepäck Durchleuchten....Halt Gringos an Bord. Die Frau, in der grösten angespannten Situation, in der Grenzkontrolle, steigt plötzlich hektisch aus: "Die Sache ist, mir ist sehr heis."
Der Mann an der Rezeption nennt ein anderes Hotel etwas weiter die Strasse runter.
Dort ist es günstiger. Wir sind todmüde und entscheiden uns für das Zimmer, doch dann- wir haben ja noch keine Bolívares!! Und es muss am Abend bezahlt werden.
Der Eigentümer schickt uns zum Busbahnhof, wo es auch Essen geben soll.
Über die dunklen Strassen (aber direkt bei der harten "Roten Brigade") gehen wir zum Busbahnhof, wo noch reges Treiben herrscht. Zwielichtige Gestalten bieten Zwielichtiges an.
Leider sind schon alle Geldwechsler weg.
Mit letzter Not finden wir doch noch einen, der uns ein paar Dollar zu einem richtig miesen Kurs wechselt. Wir kaufen vier alte Teilchen, die soviel kosten wie zwei komplette Mittagessen in allen anderen Ländern (und in Bolivien vier) und würgen sie herunter.
Heute morgen sind wir dann um fünf aufgestanden, haben den Bus genommen und sind los nach Mérida. Natürlich gab es am Frühstücksstop nur Empanadas mit Fleisch und Huhn.
Hungrig und müde sind wir dann angekommen, nett empfangen in einer einfachen Posada. Die Tochter des Pärchens ist sieben Jahre alt.
Ich trinke Kaffee und sie lädt mich auf eine Runde Schach ein. Sie hat schon Wettbewerbe gewonnen und (ganz stolz) eine Medaille!
In ihren Armen schläft ein kleines graues Kaninchen, Señor Don Pepe, ganz friedlich. Nur das Näschen zuckt. Das hab ich noch nie gesehen!
Ich verliere.
@Herrn Stephan: Heute morgen, auf der 5 Uhr Busfahrt meinte Christian plötzlich verschlafen zu mir: "Stell dir vor! Heute ist Sommerfest! Die bereiten jetzt alles vor! Ich wär auch so gerne da!"
Und wir schwelgten stumm in Gedanken.
Und schliefen.
Und genossen die bergige, schroffe Landschaft.
Und schliefen.
naja, so gut das ging, denn obwohl die Strase sehr gut ausgebaut war, hebte man zwischendurch, auf Grund der erstklassigen Stosdämpfer, immermal wieder so einen halben Meter ab.
Wie Nebenjobs, ich habe keine Ahnung wovon sie sprechen : )
Jetzt prügelt euch doch nicht hier, ist doch bald Sommerfest. Ich hoffe, dass Stück haut auf die Kacke ; )
Man sieht sich bald.
@ Elza, yes, wir sind in Mérida und auch auch ich finde das merkwürdig. Ich erinnere mich genau daran, dass ich Bilder von dir aus Venezuela sah und mir dachte: "Mann, ich dachte, das gäbe es nicht wirklich. Ich muss in die Ferne." Und jetzt schlendern wir hier durch die Strasen. Kannst du eigentlich was empfehlen, hier, jeglicher Art: Sights, Activities, Läden, Bars, egal.
und cool, die ganzen Kommentare! Da klickt man mit einem Lächeln auf die Blog-Seite:)
Ich freu mich auch schon auf Europa und die schönen alten Häuser.
Und das Klima. Dass so lange die Sonne scheint, dass es bis neun, zehn Uhr nicht dunkel wird! Dass man nachts unterwegs sein kann.
Grillen!
Käse!!!!!!!
Jetzt muss ich aber noch schnell berichten, dass wir auch noch in San Gil, Colombia, waren und dort zwei Tage ausharren mussten um etwas Neues ausprobieren zu können: Paintball!! Yes! Man ballert sich mit Gaspistolen gegenseitig ab, die mit Farbkügelchen geladen werden. Wird man getroffen, bleibt ein fetter Farbfleck. Capture the Flag! Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass man Nina einen Kunstschuss genau vor's Visier verpasste Ha Ha : ) Das will ich unbedingt nochmal machen. Das macht echt total Spas. Wer fordert mich heraus?
Ach ja, und heute waren wir in der Eisdiele, die weltweit den Record in Auswahl hält: Über 900 Geschmäcker. Wir probierten nicht nur Hafer, Kräutertee (Hierba Buena), Kakaobohne, Erdnuss und Müsli, sondern auch Zwiebel, Auster und Knoblauch.
Und hier noch ein Link zu Fotos einer Reisebekannte, vom Parque Tayrona und dem Ciudad Perdida Trek. Unsere Kamera ist kaputt gegangen.
http://www.facebook.com/album.php?aid=38358&l=08277&id=665284282
hasta entonces,
neyna
und Mr. J C
Ps: Bleibt dran, ist nicht mehr lang! 13.6.
5 Kommentare:
hallihallo,
Klingt wiedermal nach einer aufregenden Reise. Wirklich immer krass zu sehen was ihr alles seht und erlebt wärend hier alles wie immer ist. Ich freu mich euch wiederzusehen und viele Stunden voller spannender Geschichten zu hören. Und ich fordere euch herraus!!
bis (sehr) bald
Steff
Hi -
Onki, du alter Pazifist, du findest Paintball gut? Das ist ein Kriegsspiel und hat hier einen ziemlichen Fascho-Ruf, sag ich mal. Warum sollte man auch sonst jemandem ins Gesicht schießen sollen? Auch wenn's nur Farbe ist? Hmmm.
Gruß
CWS
Aaaaah in meiner Email habich noch was vergessen: tienen q ir al "Bananas". Es un bar donde venden los mejores cocteles. Aun q a ustedes le va a parecer muy caro (para Venezuela no es) pero tienen q probar la Caipirinha de Fesas! Mhhh.. El bar queda en la Avenida 4, mas arriba del Colegio la Immaculata, en un pequeno Centro Comercial. antes era muuuuy pequeno, pero ya expandio muchisimo. Besos. E.
Ach, nochwas. Hättet ihr mal den allseits verhassten Onkel Lonely Planet gelesen, der sagt das Chaos an der columbianisch- venezolanischen Grenze vorraus :) Harharhar. Es hat alos auch Vorteile :)
e.
Hallo Ihr Beiden,
ich freu' mich schon auf Euch. Habe auch immer eifrig Euren Blog gelesen. Das ist ja wirklich das reinste Abenteuer. Sollte man ein Buch daraus machen. Bis bald, Frank
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