Nach einem etwas schwerzlichen Abschied von Bogotá und Miguel kamen wir nach - Medellin. Die Stadt machte lange Zeit Schlagzeilen, als Drogenwelthauptstadt. Hier herrschte das berüchtigte Medellinkartell, an dessen Spitze der allseitsbekannte Name, Pablo Escobar, stand. Das Kartell unterhielt eine schwer bewaffnete Privatarmee, eine politische Partei und regierte die Stadt über Jahre hinweg. Die Macht wuchs und der Regierung wurde der offene Krieg erklärt. Nach Jahren des Krieges folgte Ecobars Tod durch eine mehrere hundert starke Spezialeinheit, die nur für den Zweck ausgebildet wurde ihn aufzuspüren und umzubringen. Das war 1993! Seitdem hat sich die Stadt gemacht. Die Leute haben einfach keinen Bock mehr auf Gewalt, hat man den Eindruck. Das Stadtbild ist von einem Künstler und seinen Bronzestatuen besonders geprägt, Fernando Botero.
Nichts destotrotz ist ein Besuch des Centrums kein allzu angenehmer Spaziergang. Es
wimmelt von Prostituierten (eine Limo gibt's gratis), die sich mit Religionsläden abwechseln. Straßenhändler bieten im dichten Gedränge Plastikschnapsgläschen, Mülltüten und Papageienküken an. Die Metrostationen erinnern an imperiale Schlachtschiffe, wenn sie die Plätze mit ihrem massigen Gussbeton in Dunkelheit hüllen. Es türmen sich Müllberge, an denen man sich lieber vorbeidrückt als an so mancher Menschenmasse. Auf der Straße kommt erstmal krachend ein Schwall Motorradfahrer vorbei, die sich an der Ampel nach Vorne gedrängelt haben. Dann ein groser, lauter Schwall Autos und Nostalgikbusse, dann eine dicke pechschwarze Smokwolke. Nina: "Herr Joebkes würde sich freuen hier zu sein." Chr.: "WAAS?" Nina: "Ja, ein glänzendes Beispiel für Cityverfall." Und auch ich merkte, dass es auf merkwürdige Art Spaß macht hier zu sein. Alles ist irgendwie so echt in seiner Hässlichkeit.
Trotzdem erhebt sich aus diesem Geschehen ein Muesum der Meisterklasse, das "Museo
Antioquia". Viel, vieel Zeitgenössisches, teilweise mit Guggenheimeffekt.
Randbemerkung: Unsere Hostaltante hat echt einen Schaden! Naja, aber wir haben einen mehr oder weniger privaten Laptop, freien Kaffee, Küche. was will man mehr? Wir haben uns mal daran versucht zu erraten welche Drogen sie nicht alle nimmt.
Am zweiten Tag in dieser ungemütlichen Stadt machten wir uns in den Norden, wo sich die achso moderne Metro - wir mussten so oft lügen, wenn wir von paisas (Bewohner der Region) auf ihren Stolz angesprochen wurden - in die Metro Cable fortsetzt, eine Seilbahn, die auf die ärmeren Hügel hinauffährt und funktioniert wie eine Metro eben. Die Fahrt ist ein echtes Erlebnis. Nicht nur dass man Zeuge eines kompletten Persönlichkeitswandels wird, wenn sich eine kindisch, freudig, aufgeregte Nina in eine panisch, paranoide Person verwandelt und später wieder zurück, die dann nochmal fahren will. Metro-Einheitspreis (1400 Pesos, ca. 50 Cents) eine Seilbahnfahrt machen, einmal ganz hoch (drei Stationen) und wieder runter, welch Adrenalinausstoss!!!Ein Einblick aus der Vogelperspektive in die Armenviertel erlebt man nicht allzu oft. Klar, man läuft Gefahr das Ganze zu einer bizarren Touristenattraktion zu machen, doch es gibt erstens viel zu wenige Touristen dafür, die es auch nicht kennen, weil es in keinem Reiseführer steht. Auserdem kommt es den Bewohnern des Viertels zugute, indem die Fahrt und damit die Anbindung an die Stadt, sehr billig für sie ist, selbst für sie fast nichts. Was mich ein bisschen wundert ist, dass es so klappt, und die Dinger heil bleiben. Ich hätte hier stundenlang rauf und runter fahren können. Wir konnten in die Häuser hineinschauen, sahen die Wäsche die auf den Dächern zum Trocknen ausgelegt war (und die Dächer sind auch hier so gebaut, dass einfach immer wieder noch ein Stockwerk draufgesetzt werden kann, bis das Haus einstürzt). Auf einem Dach war sogar ein Schweinekoben mit vier dicken, rosa Schweinen.
Zwischendurch erschreckte ich mich leider häufiger und krallte mich am Bein der Nachbarin fest, recht peinlich, aber sie fands lustig....
Doch wir wollten ja noch mehr von der Stadt sehen. Wir machten einen ungeplanten Zwischenstop beim Planetarium um zu pinkeln, wo Nina vor einem schwer bewaffneten Sicherheitshonk flüchtete, der ihr versuchte beizubringen, dass das Klo nicht funktioniert, was eine Lüge war und er nur Aufmerksamkeit wollte. Er hatte doch eine so schöne Waffe. Aber sie musste halt so dringend. Aus diesem Zwischenstop wurde dann ein ganzer Tag beim Park der Entdecker. Ein modernes "Museum" in dem man coole Experimente machen kann, die mehr Spas machen sollen, als wissenschaftlichen Wert übermitteln. Trotzdem sehr sehr lustig und echt beeindruckend (auch wenn man ein Experiment nicht gleich durchschaut und sich eine fette Eisenstange an die Birne haut...Physik!).
Eigentlich wollten wir dann auch schon fahren, doch wir konnten den schlechten und muffigen Eindruck der Stadt hatten so nicht stehen lassen. Also blieben wir noch einen Tag, um in möglichst unterschiedliche Stadtteile zu kommen. Als erstes stand da das ultramoderne Viertel auf dem Programm, wo es von riesigen, menschenleeren Plätzen aus "moderner Architektur" nur so wimmelt. Nicht dass mir moderne Architektur nicht gefallen würde, doch auch die Gebäude lassen den starken Verdacht aufkommen, dass sich hier einige Nazis abgesetzt haben, Gussbeton. Ein Gebäude sieht aus wie ein gigantischer Ofen oder so. Nichts Organisches. Ein einizes Gebäude von Interesse, die Bibliothek. Dazwischen befinden sich grosszügige Betonparks und Brunnen und sogar ein kleines Bambuswäldchen (ach, Mama, wir haben für dich mal Bilder gemacht von den Bamben hier, hehe).
Also das meinten die Reiseführerautoren, wenn sie von der attraktivsten, saubersten und modernsten Stadt des Landes sprachen, ba.
Ein Ausflug zu einem Hügel, auf dem sich der paisa-Stolz in einem "typischen", künstlichen hier erbauten paisa-Dörfchen manifestiert hat. Auf dem Weg trifft man schon die schönheitsoperierten, kaputten Reichen, ba.
Dann Outletcenter, ba. Dann zum Grab von Pablo Escobar. Wir fuhren erstmal kanppe 15km am Friedhof vorbei und haben einen guten Eindruck von den Vorörtchen bekommen. Dann eine Enttäuschung. Ein stinknormales Familiengrab, keine Atmosphäre. Davor ein paar Familienangehörige, die sich über unseren Besuch und die Berühmtheit ihres Familienmitgliedes freuen. Naja, also wert war es schon. Dann nochmal Outletcenter, ba.
Dann noch ein kleines Highlight, leider wieder im urhässlichen Teil der Stadt: Die Friedenstaube. Eine riesige Bronzestatue von Botero, die bei einem Bombenanschlag der FARC, bei dem an die 30 Menschen starben, vollkommen zerfetzt wurde.
Heute ging es dann also in aller Frühe Richtung Karibik, doch darüber werden wir das nächste Mal schreiben.
@ Elza, Oooooooooooooooohhhh!! Que pena! Son Kack! naja, du bist glücklich. Geniese es in vollen Zügen. Scheint ja der Fall zu sein. Also, viel Spaß noch! Lies dir aber nochmal durch, was du bei deinem letzten Kommentar geschrieben hast! Das klingt ein bisschen so als wärest du in einem Strafgefangenenlager und die Wärter hätten dir diktiert. hehe feliz personal hi. Was hast du für eine Willenkraft, dass du die Gummibärchen nicht aufgegessen hast???? Ja, also, dann sieht man sich. (Vielleicht überlegst du es dir ja doch nochmal für ein zwei Tage rüberzukommen?) Ansonsten müssen wir ja wohl entschädigend sowas von partyrockend die Stadt abreisen : )
Bis späteräh
Christian und Nina Wett (ey, das hat Christian so geschrieben!)
Donnerstag, 1. Mai 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentare:
gefangen von der schoenheit und atmosphaere meridas! no se puede hacer nada. jetzt halt caracas, diese stadt nimmt dir die luft zum atmen! wow.. nicht schlecht, i could do it agian and again and again. ja das mit der willenskraft.. ich muss es ja irgendwie versuchen wieder gut zu machen, dass ich jetzt abhaue, ohne das wir uns getroffen haben... q pena.
q disfruten el tiempo q queda!
bjus. elza
Kommentar veröffentlichen